Dossier DGLR und AAE
Dossier zu kleinen Trägerraketen

Moderne Kleinsatelliten sind heute deutlich kleiner als frühere Modelle: oft sind sie nicht größer als ein Schuhkarton. Dieser Trend zur Miniaturisierung hat viele Vorteile, da die kleinen Satelliten einfacher und schneller zu entwickeln und zudem kostengünstiger als große Satelliten sind. Bisher wurden kleine Satelliten hauptsächlich in Clustern oder als sekundäre Nutzlasten mit großen Trägerraketen gestartet. Sie sind jedoch noch effektiver, wenn sie von einem eigenen Start für ihre speziellen Anforderungen profitieren können. Auch in Europa werden inzwischen Projekte für neue kleine Trägerraketen und neue Startplätze initiiert. Mit ihrem gemeinsamen Dossier „Kleine Trägerraketen: Eine Europäische Perspektive“ möchten die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) und die französische Akademie für Luft- und Raumfahrt (L’académie de l’air et de l’espace, AAE) einen Beitrag zu der aktuellen Debatte leisten und zeigen, wie Europa eine führende Rolle auf dem Weltmarkt für Kleinsatellitenstarts spielen kann.

Angesichts des zunehmenden Ausbaus neuer Raumfahrtanwendungen sowie der Entwicklung der Satellitentechnologien hin zu kleineren Satelliten hat eine internationale Arbeitsgruppe von DGLR und AAE im Rahmen des Dossiers einen Bedarf an kleinen Trägerdiensten in Europa festgestellt. Obwohl der Weltmarkt relativ begrenzt ist und einem starken Wettbewerb unterliegt, sei demnach im strategischen Interesse Europas, dafür zu sorgen, dass mindestens ein europäisches Projekt für eine kleine Trägerrakete sobald wie möglich verwirklicht wird. So soll der europäische Bedarf an leistungsfähigen Startdiensten für Kleinsatelliten gedeckt werden.

Die Experten empfehlen zum Beispiel, dass sich Europa auf eine Kapazität von 800 bis 1.000 Kilogramm für eine kleine Trägerrakete konzentriert, die die Familie der Ariane- und Vega-Trägerraketen erweitert. Damit könnte eine Rate von etwa acht bis zehn Starts pro Jahr erreicht werden, in der sowohl der Start aller kompatiblen europäischen institutionellen Satelliten garantiert wäre als auch ein Teil des zugänglichen kommerziellen Markts für Kleinsatelliten inklusive einiger Einzelsatelliten über 500 Kilogramm. Mit einem zweistufigen vertikal startenden Träger mit Flüssigtreibstoff, der mit mehreren optionalen Orbitalmanövriersystemen kompatibel ist, sollte diese Trägerrakete zudem teilweise wiederverwendbar sein.

Das von DGLR und AAE ausgearbeitete Dossier bietet eine Analyse der Marktaussichten in der Welt und in Europa, eine Bestandsaufnahme aller bestehenden Projekte sowie Empfehlungen für Europa, um auf dem Weltmarkt für Kleinsatellitenstarts eine führende Rolle spielen zu können. Die Vormachtstellung Europas in dem Sektor für kleine Trägerraketen ist laut den Experten eine wesentliche Voraussetzung dafür, ein unabhängiger Hauptakteur in einem Wirtschaftsbereich mit vielversprechenden Perspektiven auf der Grundlage neuer Raumfahrtdienste und -anwendungen zu werden. Das Dossier kann kostenlos auf der Website heruntergeladen oder für 15 Euro als Printprodukt bestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren